Wie mache ich meine Glasurproben?

Dein Leitfaden für wunderschöne Keramikoberflächen

 

Du hast eine neue Glasur gekauft, voller Vorfreude einen Becher glasiert und nach dem Brand festgestellt: Die Farbe sieht völlig anders aus als auf dem Etikett?

 

Fast jeder Keramiker kennt diesen Moment. Deshalb gehören Glasurproben zu den wichtigsten Werkzeugen von Keramikern. Sie sparen Zeit, Geld, Frust und helfen dir dabei, deine ganz persönliche Glasursammlung aufzubauen.

Ich selbst liebe Glasurproben. Sie sind wie kleine Schätze, die nach und nach eine eigene Bibliothek keramischer Möglichkeiten entstehen lassen. Wenn du einmal damit anfängst, wirst du dich fragen, warum du es nicht schon viel früher getan hast.

In diesem Artikel zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du Glasurproben erstellst, organisierst und sinnvoll nutzt.

 

Warum Glasurproben so wichtig sind

Eine Glasur verhält sich niemals isoliert.

Das Ergebnis hängt unter anderem ab von:

  • dem verwendeten Ton,
  • der Brenntemperatur,
  • der Schichtdicke der aufgetragenen Glasur,
  • der Auftragstechnik (ob mit Pinsel oder getaucht)
  • dem Ofen und wo die Glasurprobe beim Brand liegt (oben oder unten, mittig, an der Seite),
  • der Brennkurve,
  • möglichen Überglasuren oder auch manchmal von den Glasuren, die noch mitgebrannt werden,

Eine Glasur, die auf weißem Steinzeug traumhaft aussieht, kann auf rotem Ton völlig anders wirken.

Deshalb gilt: Vertraue niemals ausschließlich dem Foto auf dem Eimer.

Vertraue deinen eigenen Proben!

Was sind nun Glasurproben?

Glasurproben sind kleine Tonstücke, auf denen du Glasuren testest.

Meist werden dafür kleine Fliesen, Kacheln, Anhänger, Streifen, Testplatten verwendet.

Ich benutze meist kleine Plättchen, die ich extra dafür angefertigt habe. Ansonsten nehme ich auch geschrühte Reste,

die ich gerade finde. Vor kurzem habe ich auch mal einen kleinen Becher mit verschiedenen Proben glasiert. Daran lässt sich ganz gut erkennen, ob die Glasur läuft oder nicht. (Deshalb glasiere ich hier nicht bis ganz unten zum Rand). 

Sie werden genauso gebrannt wie deine spätere Keramik.

Dadurch erhältst du eine zuverlässige Referenz für zukünftige Projekte.

 

Welche Tonart solltest du für die Glasurproben verwenden?

Ganz einfach:

Immer den Ton, den du später auch benutzen möchtest.

Wenn du hauptsächlich mit einem hellen Steinzeugton arbeitest, solltest du deine Proben ebenfalls daraus herstellen.

Arbeitest du mit:

  • Porzellan
  • rotem Ton
  • Schamotteton
  • Paperclay

dann lohnt es sich, für jede Tonart eigene Glasurproben anzulegen.

Der Farbunterschied kann enorm sein.

 

So stellst du deine Testfliesen her

Für Glasurproben brauchst du keine komplizierten Formen.

Eine einfache Tonplatte genügt. Ich zeige dir hier drei Varianten.

Variante 1: Rechteckige Testfliesen

Rolle eine Tonplatte aus, die: ca. 5–7 mm dick und gleichmäßig stark ist.

Schneide daraus Rechtecke von etwa 5 × 8 cm oder 6 × 10 cm.

Diese Größe reicht völlig aus.

 

Variante 2: Anhänger

Viele Keramiker lieben es, Anhänger als Glasurproben anzufertigen.

Die Vorteile sind, dass sie platzsparend, leicht aufzuhängen und schnell zu sortieren sind.

Stich einfach oben ein kleines Loch ein, groß genug, dass du später einen Draht oder Faden hindurchfädeln kannst. Du könntest die fertige Probe dann jeweils an den passenden Glasureimer hängen. (Mach am besten gleich zwei Proben, eine für deine Sammlung und eine für den Eimer bzw. das Gefäß).

Variante 3: größere Tonplatten

 

Ich mag es sehr, meine Proben auf größeren Tonplatten anzulegen, da ich sie manchmal in meine künstlerischen Arbeiten einbinde.

Außerdem habe ich dann für eine Brenntemperatur gleich mehrere auf einen Blick vor mir liegen. Das hilft mir besonders, wenn ich nicht weiß, wie ich etwas glasieren soll. Indem ich die Auswahl an Farben sehen kann, kann ich mich besser entscheiden und sehe auch gleich, welche Farben gut zusammen passen.  

 

 

Beschrifte jede Probe sofort

Dieser Schritt wird unglaublich oft vergessen!

Leider weißt du dann später nicht mehr:

  • Welche Glasur habe ich verwendet?
  • Wie viele Schichten habe ich gewählt?
  • Mit welcher Brenntemperatur habe ich eigentlich gebrannt?

Deshalb ritze ich oder schreibe mit schwarzer Engobe auf die Rückseite:

  • den Namen der Glasur,
  • die Brenntemperatur,
  • evtl. eine Nummer, die du dann in dein Probenbuch einträgst und dir so noch zusätzliche Notizen darin machen kannst.

 

Spätestens nach zehn Proben wirst du dir sehr dankbar sein!

 

Die richtige Glasurdicke testen

Viele Glasuren verändern ihr Aussehen abhängig von der Schichtstärke.

Deshalb ist es gut, auf einer Probe mehrere Bereiche anlegen.

Zum Beispiel:

  • oben 1 Schicht,
  • in der Mitte 2 Schichten und
  • unten 3 Schichten.

Oder auch: im unteren Teil weiße Engobe drüber pinseln, oder einen Stempel benutzen.

So siehst du sofort:

  • Wann die Farbe wo am schönsten wird,
  • ob die Glasur läuft oder
  • ob sie zu dick aufgetragen wurde.

Dieser Trick spart dir unglaublich viele Fehlbrände. Du kannst einfach besser einschätzen, wie das Ergebnis aussehen wird.

 

Glasuren kombinieren

Jetzt wird es spannend.

Viele der schönsten Keramikoberflächen entstehen durch das Übereinanderlegen verschiedener Glasuren.

Zum Beispiel:

  • weiße Glasur + blaue Glasur
  • transparente Glasur + Engobe
  • Effektglasur + Mattglasur

Lege dafür auf deinen Testfliesen mehrere Bereiche an.

Beispielsweise:

  • Glasur A
  • Glasur B
  • Glasur A über B
  • Glasur B über A

Du wirst überrascht sein, wie unterschiedlich die Ergebnisse ausfallen!

Fang einfach an zu experimentieren, es macht so einen Spass!

 

Teste, wenn möglich, auch auf senkrechten Flächen

Viele Glasuren sehen auf waagerechten Proben wunderbar aus.

Doch da dein Becher später senkrecht steht, kann es sein, dass die Glasuren sich doch etwas anders verhalten.

Deshalb empfehle ich dir, deine Testfliesen leicht schräg oder senkrecht aufzustellen im Brand. (Oder benutze, so wie ich, ein kleines Testgefäß).

So erkennst du sofort:

  • welche Glasur gerne läuft,
  • ob es eine Tropfenbildung gibt und
  • wie stark der Glasurfluss ist.

Gerade Effektglasuren verhalten sich oft völlig anders als erwartet!

 

Glasurproben für Engoben

Wenn du gern mit Engoben arbeitest, lege auch dafür Proben an.

Teste zum Beispiel:

  • die Engobe pur aufgetragen,
  • die Engobe mit transparenter Glasur drüber,
  • sowie verschiedene Engoben unter derselben Glasur.

Hier entstehen oft wunderschöne Überraschungen.

 

Glasurproben dokumentieren

Das ist der Schritt, den manche gern überspringen. Ich gebe zu, ich auch. 

Habe ich allerdings ein konkretes Forschungsprojekt, schreibe ich alle Daten dazu sorgfältig auf. Es macht einfach Sinn, wenn ich die Arbeit nicht doppelt tun möchte.

 

Das kannst du tun: lege dir eine einfache Tabelle an.

Zum Beispiel so:

Probe Ton Glasur Schichten Temperatur
G1 Steinzeug hell W2505 BOTZ Weiß 3 1220°C
G2 Steinzeug hell W2510 BOTZ Türkis 2 1220°C

Noch besser:

Fotografiere jede Probe, dann kannst du dir einen Ordner auf dem Handy oder Computer anlegen, falss du das magst.

Mit der Zeit entsteht daraus dein persönliches Glasurarchiv.

Welche Glasuren eignen sich besonders für Anfänger?

Wenn du gerade erst beginnst, empfehle ich dir Glasuren, die zuverlässig und unkompliziert sind.

Zum Beispiel:

  • transparente Glasuren
  • weiße Glasuren
  • Mattglasuren
  • viele Steinzeugglasuren von BOTZ PRO

Diese Glasuren liefern oft sehr reproduzierbare Ergebnisse und eignen sich hervorragend für erste Glasurtests.

Botz Pro hat den Vorteil, dass du sie bei verschiedenen Temperaturen verwenden kannst.

 

Mein Lieblingssystem für Glasurproben

Wenn ich neue Glasuren teste, gehe ich folgendermaßen vor:

✔ ich wähle immer die gleiche Tonart

✔ benutze Testkacheln, die schon gebrannt sind / geschrüht

✔ beschrifte sie hinten mit schwarzer Engobe

✔ bestreiche sie oft mit weißer Engobe und versehe sie mit einem Stempel (dadurch kann ich sehen, wie die Glasur sich bei Vertiefungen verhält)

 

 

Dadurch kann ich auch Jahre später noch nachvollziehen, wie ein bestimmter Effekt entstanden ist.

Und glaub mir:

Nach einigen Monaten hast du längst vergessen, welche Glasur du damals auf diesem wunderschönen Becher verwendet hast.

Die Probe erinnert dich daran. : )

 

Typische Fehler bei Glasurproben

Zu kleine Proben

Winzige Proben zeigen oft nicht den tatsächlichen Effekt, arbeite lieber etwas größer.

 

Keine Beschriftung

Mit diesen Proben kannst du leider nichts mehr anfangen. : (  

Nur eine Schicht getestet

Viele Glasuren entwickeln ihre Schönheit erst bei zwei oder drei Schichten, besonders die fertigen Flüssigglasuren.

 

Keine Kombinationen ausprobiert

Gerade hier können die spannendsten Effekte entstehen.

Nichts dokumentiert

Ohne Fotos und Notizen beginnt eventuell später das große Rätselraten für dich – ich halte es allerdings momentan ziemlich einfach und schreibe alles mit Engobe auf die Rückseite der Probe (statt in ein Heft).

Meine Empfehlung für Anfänger

Wenn du gerade mit dem Glasieren beginnst, empfehle ich dir, 

  • etwa 20 bis 30 Probeplättchen anzufertigen und zu schrühen,
  • 3 bis 5 Lieblingsglasuren zu probieren und dafür Probeplättchen anzulegen sowie 
  • mit verschiedenen Schichtstärken zu experimentieren.

Du lernst deine Glasuren dadurch wirklich kennen, sparst dir unzählige Fehlversuche und lernst durch eigene Erfahrung.

Glasurproben sind deine kleinen Schätze

Viele Anfänger möchten möglichst schnell schöne Becher, Schalen und Teller herstellen.

Das verstehe ich gut.

Doch Glasurproben sind kein Umweg, sie sind deine Abkürzung.

Jede einzelne Probe erweitert dein Wissen. Jede Probe bringt dich näher zu genau den Oberflächen, Farben und Effekten, die du wirklich liebst. Und irgendwann besitzt du eine ganz persönliche Sammlung keramischer Erfahrungen, die kein Buch und kein YouTube-Video ersetzen kann.

Wenn du tiefer in das Thema Dekore, Oberflächen, Engoben und Glasuren eintauchen möchtest, trage dich gern auf die Warteliste meines Kurses Dekore & Oberflächen* ein. Dort zeige ich dir Schritt für Schritt meine liebsten Techniken, Glasurkombinationen und kreative Wege zu einzigartigen Keramikoberflächen.

 

 

Häufige Fragen zu Glasurproben

Wie viele Glasurproben sollte ich machen?

Für den Anfang reichen 20–30 Testfliesen völlig aus.

Muss ich jede neue Glasur testen?

Ja, selbst wenn Herstellerbilder vorhanden sind.

Kann ich Glasuren übereinander auftragen?

Unbedingt. Viele der schönsten Effekte entstehen genau dadurch. – Aber mach Proben!

Brauche ich Glasurproben als Anfänger?

Gerade als Anfänger. Sie helfen dir, Glasuren schneller zu verstehen und bessere Ergebnisse zu erzielen.

Welche Glasuren eignen sich für erste Tests?

Transparente Glasuren, weiße Glasuren und zuverlässige Steinzeugglasuren sind meist ein guter Einstieg. 

Wie bekomme ich ein System in meine Proben, so dass ich den Überblick behalte?

Wenn du es dir leicht machen willst, hol dir mein Keramikjournal, das zu deinem wertvollen Begleiter beim Töpfern werden kann.

Darin kannst du alles notieren, was du für wichtig hältst und auf den verschiedenen Seiten für Glasuren, Ideen, Skizzen behältst du gut den Überblick.

 

Ich wünsche dir viel Freude beim Einstieg in die bunte so weite Welt der Glasuren!