Wenn ich ehrlich bin: Als ich mit dem Töpfern begonnen habe, dachte ich, ich bräuchte unglaublich viele Werkzeuge.
Spezialwerkzeuge, teure Werkzeuge und natürlich Profiwerkzeuge : ) ich wollte ja schließlich einer werden.
Heute, viele Jahre später, sieht die Realität schon anders aus.
Natürlich habe ich mittlerweile einige Schätze in meinem Atelier gesammelt. Aber die Dinge, die ich wirklich ständig benutze, passen in ein einziges Regal(fach).
Und genau dieses Regal möchte ich dir heute zeigen. Es ist ein rollendes Regal*, das ich überall mitnehmen kann, wo ich es gerade brauche. Es hat drei Etagen und ich zeige dir, was ich darin aufbewahre.
Falls du gerade mit dem Töpfern beginnst, wirst du vielleicht überrascht sein, wie wenig du tatsächlich brauchst.
Denn eines der größten Missverständnisse beim Töpfern ist:
Du brauchst nicht mehr Material. Du brauchst mehr Zeit mit den Händen im Ton.
Also werfen wir gemeinsam einen Blick auf mein rollendes Töpfer-Regal.

Warum ich Minimalismus beim Töpfern liebe
In den letzten Jahren durfte ich viele Teilnehmerinnen begleiten.
Und fast immer taucht irgendwann dieselbe Frage auf:
„Welches Werkzeug soll ich kaufen?“
Meine Antwort lautet fast immer: Nur wenig, zumindest nicht zehn auf einmal.
Denn die schönsten Becher entstehen selten durch teures Equipment,
sie entstehen durch Übung, durch Wiederholung und Neugier. Und durch deine Hände.
Auch durch die Bereitschaft, Fehler zu machen.
Deshalb besteht mein Töpfer-Regal aus wenigen Dingen, die ich tatsächlich benutze.
1. Ton – das Wichtigste überhaupt
Natürlich beginnt alles mit dem Ton.
In meinem Keller stehen meistens mehrere Sorten: heller Ton, dunkler Ton, feiner Ton, grob schamottierter Ton.
Niedrig brennender Ton, Steinzeugton (also hochbrennend) und Porzellan. Paperclay, eingetrockneter Ton – all das hat sich im Laufe der Zeit angesammelt, manchmal sind es noch halbe Tüten, Reste von Projekten.
Den Ton schmeiße ich nicht weg, weil ich ihn, je nach Bedarf, wieder aufbereite – wie das geht, erfährst du HIER.
Für Anfänger jedoch empfehle ich, mit einer Sorte Ton zu beginnen:
und zwar mit hellem Steinzeugton*, der etwa 25 % Schamotteanteil hat und eine Körnung von 0–0,5 mm.
Genau diesen Ton verwende ich auch in vielen meiner Kurse und Templates. Er lässt sich angenehm verarbeiten und ist perfekt zum Anfangen und im Handaufbau.
2. Mein Nudelholz
Ein ganz normales Nudelholz ist super für die Plattentechnik. Du kannst damit deine Tonplatte rollen,
die du brauchst, falls du mit Templates arbeitest. Ich habe ein extra Nudelholz, nur für meinen Ton.
Falls du noch keines hast: findest du es hier*

3. Holzleisten für gleichmäßige Tonplatten
Dieses Hilfs-Werkzeug kostet fast nichts, ist aber eine enorme Hilfe, wenn du deine Tonplatte gleichmäßig
hinbekommen möchtest.
Du legst sie rechts und links neben die ausgerollte Tonplatte und rollst noch einmal darüber.
So wird die Platte überall gleich stark. Das ist gut für das weitere Zusammenbauen, so reißt es nicht
an der dünnsten Stelle.
Ganz einfache Holzleisten (0,5cm stark) findest du im Baumarkt oder hier*
4. Baumwolltücher und alte Bettlaken
Alte Bettlaken (aus Baumwolle oder Leinen) eignen sich hervorragend als Unterlage, um die Tonplatten auszurollen.
Beziehungsweise auch generell für`s Töpfern. Der Ton klebt dadurch nicht an der Unterlage fest, was in meinen Kinderkursen öfter passiert als gedacht, wenn sie das Tuch vergessen! Ich würde auch kein Brett benutzen, wie ich es oft höre – weil Holz den Ton anzieht. (Falls du Tücher nicht magst, könntest du auch eine Gipsplatte nehmen. Die ist auch gut, um dein fertiges Stück darauf trocknen zu lassen. Gips zieht das Wasser aus dem Ton und sorgt für ein langsames Trocknen.)
Die Stoffe lassen sich problemlos waschen. Wenn sie doch zu sehr verschmutzt sind, hänge ich sie in den Regen, damit das Gröbste abwäscht. Ton ist Erde!
5. Schlicker in kleinen Gläsern
In meinem Rollregal stehen immer 2-3 Gläser mit Schlicker (für jede Tonsort, mit der ich arbeite, eines).
Falls du neu bist: Schlicker ist flüssiger Ton, der die einzelnen Teile miteinander verbindet.
Zum Beispiel die Henkel an den Tassen, wenn du die Seitenwand und den Boden verbindest oder auch Dekorationen aufsetzen möchtest, ist der Schlicker unerläßlich!
Ich stelle meinen Schlicker einfach aus trockenen Tonresten, die ich in Wasser einweiche, her.

6. Kleine Schwämme
Ich liebe diese kleinen gelben Schwämme! Sie sind so unglaublich praktisch, um meine Gefäße zu verputzen, um sie von Glasurresten zu säubern, mein Werkzeug damit abzuwaschen……..
Wenn ich nur ein einziges Werkzeug behalten dürfte, wäre ein Schwamm definitiv ganz weit oben auf der Liste.
7. Modellierhölzer
Es gibt diese Holzwerkzeuge zum Modellieren, mit denen du zum Beispiel die Nähte in Gefäßen
gut verstreichen kannst (falls du mit den Fingern nicht hinein kommst).
Außerdem sind in dem Set*, welches ich dir für den Anfang empfehle zu kaufen,
Modellierschlingen zum Aushöhlen von Körpern drin, ein Schneidedraht, und auch
ein kleiner gelber Schwamm : )
Falls du irgendwann mehr Werkzeuge willst, hast du schon eine Idee davon, was du wirklich brauchen könntest,
weil du die wichtigsten schon ausprobiert hast.

8. Meine Lieblingspinsel
Pinsel begleiten mich durch den gesamten Keramikprozess. Ich brauche sie, um Engoben und Glasuren aufzutragen, manchmal zum Umrühren und manchmal auch, um den Schlicker zu verstreichen am Gefäß.
Mit der Zeit habe ich so meine Lieblingspinsel entdeckt. Ich empfehle dir, einfach auszuprobieren, mit welchen du gerne arbeitest.
Von Vorteil zum Glasieren sind Pinsel, die gut die Glasur im Pinsel halten, damit möglichst viel davon aufgetragen wird (sonst hast du die Pinselspuren so sichtbar nach dem Brand).
Das sind meine Favoriten, und wenn du dir welche kaufen möchtest, empfehle ich dir diese:
- weiche Aquarellpinsel
- flache Borstenpinsel
- feine Detailpinsel
Falls du nur drei Pinsel kaufen möchtest, kaufe einen großen, einen mittleren und einen für Details, einen schmalen Pinsel.
9. Glasuren & Glasurproben
Ich empfehle dir, die Glasuren später zu besorgen. Wenn du aber dennoch gleich alles auf einmal
besorgen möchtest, so würde ich dir für den Anfang empfehlen: kauf dir 3 schöne Farben, die dir
gefallen. Ich habe dir hier meine 3 Favoriten herausgesucht, mit denen du gut kombinieren kannst.
Sie sind von Botz Pro – das bedeutet, dass du sie in allen Brennbereichen brennen kannst, was dir den
Einstieg erleichtert, wenn du nicht viel über Brennen und Glasieren weißt.
1. Botz Pro opalweiß
2. Botz Pro
3. Botz Pro
Kennst du Glasurproben? Du kannst sie dir selbst anfertigen, wie das geht, kannst du HIER nachlesen. Ich habe sie dabei, wenn ich meine Kurse gebe. So kann man besser einschätzen, wie das glasierte Stück fertig aussehen wird.(Glasuren sehen beim Auftragen meist hell aus).
Eine Probe spart Zeit, Frust und Material. Ich empfehle dir, von Anfang an eine kleine Sammlung anzulegen. Du wirst dir später selbst dankbar sein, das Arbeiten macht so einfach mehr Spaß!
10. Bücher zur Inspiration & mein Skizzenbuch
Was ich immer dabei habe, sind zwei Bücher: mein Skizzenbuch* und eine Art Arbeits(log)buch*, wo ich alle Fakten zu meinen Glasurproben aufschreibe, welches Material ich demnächst bestellen möchte,
Aufträge, die rein kommen……….. und ab und zu ist auch ein Keramikbuch dabei zur Inspiration.
11. Die wichtigste Sache in meinem Regal
ist die Leere. Wer mich kennt, weiß, dass ich den leeren Raum brauche, um frei denken zu können,
um die Möglichkeit zu haben, diesen Raum zu füllen mit dem, was mich gerade beschäftigt.
Es gibt also meistens eine leere Schublade, in der ich das Getöpferte abstellen kann zum Trocknen.
Manchmal, wenn das Stück nihct fertig wird, lagere ich es dort auch zwischen, eingepackt in eine Plastiktüte, damit alles schön weich bleibt und ich später daran weiterarbeiten kann.
Wenn du also gerade erst anfängst: glaube bitte nicht, dass du zuerst das perfekte Equipment brauchst.
Du brauchst einen kleinen Tisch, ein Stück Ton, ein bisschen Neugier und den Mut, einfach loszulegen.
Meine Empfehlung für dein erstes Töpfer-Regal: die komplette Einkaufsliste für Anfänger
Wenn ich heute komplett neu starten würde, würde ich also Folgendes kaufen:
- als erstes das rollende Regal (super praktisch, du hast immer alles dabei, egal wo du töpferst)
- oder, was ich auch habe, wenn ich reise: alles in einer verschließbaren Kiste*
- 10 kg Steinzeugton
- ein Nudelholz & Holzleisten
- das Werkzeug-Starterset
- Pinsel
- ein oder auch mehrere Baumwolltücher
- Schlicker
- Gipsplatte
Fazit: Weniger Werkzeuge, mehr Ton!
Das Schönste am Töpfern ist für mich bis heute, dass ich eigentlich nur meine Hände und den Ton brauche.
Klar erleichtern die Werkzeuge so einiges. Und es macht auch total Spaß, all diese schönen Tools auszuprobieren!
Mein Sortiment hat sich daher über viele Jahre gefüllt und erweitert. Doch was ich am Ende tatsächlich benutze, ist ganz wenig. Weil es eben nicht darauf ankommt, wieviel Werkzeuge ich habe, sondern dass es die richtigen sind.
Falls du gerade mit dem Töpfern beginnst, möchte ich dir deshalb Mut machen:
Starte klein! Kaufe nur das Nötigste, mach deine Fehler, sie sind es, die dich weiter bringen.
Forme schiefe Becher und lerne dabei.
Denn genau dort beginnt die eigentliche Magie der Keramik. Im Tun. Ich liebe es!
Viel Freude dabei wünsche ich dir,
Love, Dana.







