Tonschlicker: Die einfache Anleitung für Anfänger – was Tonschlicker wirklich ist und wie du ihn benutzen kannst
Die unsichtbare Verbindung, die deine Töpferstücke hält
Vielleicht kennst du die Situation:
Du arbeitest an deinem ersten Becher, setzt einen Henkel an, verbindest Wände oder baust einen Boden an – und dann löst sich etwas wieder. Das Teil hält nicht, rutscht, oder fällt später beim Trocknen ab. Das ist frustrierend und liegt meistens an einem einzigen Grund:
Es wurde kein (oder zu wenig) Tonschlicker verwendet.
Tonschlicker ist das wichtigste Verbindungsmittel beim Töpfern. Ohne ihn halten Tonflächen kaum zuverlässig zusammen (es sei denn, du arbeitest gerade mit sehr weichem Ton). In diesem Artikel bekommst du eine klare, verständliche Einführung, die dir das Aufbauen im Töpfern deutlich erleichtert!
Was ist Tonschlicker?
Tonschlicker ist nichts anderes als:
Ton + Wasser = ein cremige Masse, die wie eine Art Klebstoff wirkt.
Er entsteht, wenn getrocknete Tonreste in Wasser eingeweicht werden. Der Ton löst sich auf und wird zu einer glatten, streichfähigen Masse. Diese Masse sorgt dafür, dass sich zwei Tonstücke miteinander verzahnen können.
Warum das wichtig ist:
- Ton verbindet sich nicht trocken.
- Feuchtigkeit aktiviert die Oberfläche und macht sie wieder klebefähig.
- Schlicker erzeugt eine stabile Verbindung, die beim Trocknen und Brennen hält.
- Was dabei zu beachten ist: beide Klebeflächen sollten mit der Töpfernadel oder Messer angeritzt werden. Der Schlicker hält sich in diesen Rillen fest und zieht so beide Teile zusammen.

Warum muss Tonschlicker flüssig sein?
Vielleicht fragst du dich, warum der Schlicker nicht fest oder pastig sein darf. Hier kommt der Grund:
Ist er zu fest → verbindet er die Teile nicht richtig.
Ist er zu dünn → rutschen die Teile wieder ab.
Tonschlicker braucht eine Konsistenz wie Joghurt.
Flüssiger Schlicker:
- dringt in Poren und Ritzen ein,
- aktiviert die Tonoberfläche,
- ermöglicht, dass sich Tonpartikel neu miteinander verketten.
Diese feine Balance findest du mit etwas Übung ganz intuitiv.
Woher kommt eigentlich das Wort „Schlicker“?
„Schlicker“ stammt vom Wort „Schlick“, also matschiger, weicher Boden. Der Begriff wurde im traditionellen Handwerk genutzt und beschreibt schlicht die matschige Konsistenz des Materials.
Tonaufbereitung – die Basis für guten Schlicker
Damit Schlicker zuverlässig funktioniert, sollte er immer aus dem gleichen Ton hergestellt werden, mit dem du auch gerade arbeitest.
Warum das wichtig ist:
- Verschiedene Tonarten haben unterschiedliche Schrumpfwerte und Zusammensetzungen.
- Mismatch kann zu Spannungen führen → Teile reißen oder lösen sich.
So bereitest du Tonreste auf:
- Tonreste vollständig trocknen lassen.
- In ein Glas oder eine Dose geben.
- Wasser darüber gießen.
- Einige Stunden (oder über Nacht) stehen lassen.
- Umrühren → Schlicker ist fertig.

Tonteile zusammenkleben – Die 5-Schritte-Methode für Anfänger
Das ist der entscheidende Teil – und hier passieren die meisten Fehler.
So geht es richtig:
1. Beide Teile müssen lederhart oder gut formbar sein.
Sind sie zu trocken, können sie leicht brechen.
Sind sie zu nass, rutschen die Teile gern wieder auseinander.
2. Beide Verbindungsstellen anritzen.
Du kannst sie tatsächlich 1-2 mm tief einritzen, nicht zu zaghaft – so kann sich der Schlicker gut in den Rillen festhalten und die verschlickerten Teile zusammen ziehen.
3. Den Schlicker auftragen.
Großzügig auf eine der beiden Seiten, so dass beim Zusammendrücken etwas Schlicker herausquillt. Du kannst ihn mit einem Schwamm abwischen.
4. Die beiden Teile zusammendrücken.
Langsam, gleichmäßig, ohne Hektik.
5. Die Naht versäubern
Du kannst den Schlicker, der beim Verbinden an der Seite herauquillt, mit dem Finger oder einem Schwamm glätten.
So entsteht eine stabile Verbindung.
Wenn du diese und noch mehr Grundlagen lernen möchtest, schnapp dir den Starterkurs.

Wie bewahre ich Schlicker richtig auf?
Schlicker hält lange – wenn du ihn richtig lagerst.
- Ich empfehle dir, ihn in einer verschlossenen Dose aufzubewahren.
Ein Schraubglas oder Einmachglas funktionieren gut. - Bei Bedarf kannst du etwas Wasser oben drauf geben.
Rühre dann noch einmal um. - Nimm mehrere kleine Dosen für unterschiedliche Tone.
Die spart Zeit und verhindert Verwechslungen.
Warum du ohne Schlicker nicht weiterkommst
Viele typische Anfängerprobleme hängen unmittelbar mit fehlendem oder falsch verwendetem Schlicker zusammen:
- die Henkel lösen sich
- Fugen reißen
- Böden trennen sich
- Teile halten bis zum Schrühbrand – fallen dann aber ab
Wenn dir das passiert:
liegt es oft an falscher Verbindungstechnik + falschem Schlicker. (Eine andere Fehlerquelle könnte das zu schnelle Trocknen sein). Einen Text zum guten Trocknen deiner fertigen Stücke findest du HIER.
Mit sauber hergestelltem Schlicker und der 5-Schritte-Methode löst du 90 % dieser Probleme.
Deine einfache Anleitung zur Schlicker-Herstellung
1-Tages-Version:
- Tonreste, die beim Töpfern anfallen, sammeln
- etwa 1 Tag trocknen lassen
- in ein Glas geben
- Wasser drüber geben
- etwa 1 Stunde warten & dann umrühren
- Fertig ist dein Tonschlicker!
Express-Variante (falls du gerade keine trockenen Tonreste hast):
Ton klein reißen → Wasser drauf → 30 Minuten warten → rühren → fertig.
Die erste Methode ist die bessere, weil sich trockene Tonreste wunderbar auflösen in Wasser, es bleiben keine Klümpchen, die das Schlickern erschweren könnten.
Q&A – die häufigsten Fragen
Was ist Tonschlicker?
Ein Brei aus Ton und Wasser, der als „Klebstoff“ dient.
Warum ist er flüssig?
Damit er in Poren eindringt und stabile Verbindungen schafft.
Kann ich ihn kaufen?
Wahrscheinlich ja, aber eigener Schlicker passt immer besser zum Ton, den du gerade benutzt!
Kann ich unterschiedliche Tone mischen?
Nein, das führt zu Spannungen.
Wie dick muss Schlicker sein?
Cremig wie Joghurt.
Wie lange hält er?
Monate bis Jahre – wenn er feucht bleibt.
Was ist, wenn er eintrocknet?
Kein Problem! Du kannst ihn einfach mit Wasser wieder einweichen.
Hast du mehr Fragen?
Komm gern in meine Membership, dort kannst du mich alles fragen, falls du mal nicht weiter weißt.

Fazit: Tonschlicker ist die Basis für stabile Keramik
Wenn du mit Schlicker sicher umgehen kannst, verändert sich deine gesamte Arbeit:
- Verbindungen halten zuverlässig
- Stücke reißen seltener
- Henkel und Böden sitzen stabil
- Du fühlst dich sicherer beim Aufbauen
- Trocknung und Brand verlaufen besser
Schlicker ist kein kleines Extra.
Er ist ein fundamentaler Bestandteil des Töpferns – und einer der wichtigsten Schritte, um stressfrei und erfolgreich aufzubauen.
Wenn du tiefer einsteigen möchtest, begleite ich dich gern weiter – in meinen Kursen, meiner Community und meinen praktischen Vorlagen, in denen ich genau diese Grundlagen Schritt für Schritt zeige.





